Wenn du CBD für dein Haustier kaufst, stellst du dir vielleicht die Frage: Ist das wirklich das gleiche Produkt wie das, das du für dich selbst nimmst? Die Antwort ist einfacher, als viele denken - aber auch komplexer, als es auf den ersten Blick erscheint. CBD selbst ist chemisch identisch, egal ob es für Menschen oder Tiere hergestellt wird. Doch das, was drumherum passiert, macht den Unterschied.
Chemisch gesehen: Identisch
CBD, oder Cannabidiol, ist ein Molekül. Es hat eine feste chemische Formel: C21H30O2. Ob es aus einer Pflanze in Colorado oder aus einem Labor in Deutschland kommt - das Molekül bleibt gleich. Dein Hund, deine Katze und du haben die gleichen Cannabinoid-Rezeptoren im Körper: CB1 und CB2. Diese Rezeptoren reagieren auf CBD genauso, egal ob du es dem Tier gibst oder dir selbst.
Einige Hersteller behaupten, sie hätten ein "tierisches CBD" entwickelt. Das ist Marketing. Es gibt keine spezielle chemische Version von CBD, die nur für Tiere funktioniert. Wenn ein Produkt als "für Tiere" verkauft wird, aber keine zusätzlichen Inhaltsstoffe enthält, dann ist es einfach CBD-Öl - genauso wie das, was du in der Apotheke findest.
Was wirklich anders ist: Die Zusammensetzung
Der Unterschied liegt nicht im CBD, sondern in den anderen Zutaten. Menschliche CBD-Öle enthalten oft Aromen wie Zitrone, Pfefferminze oder Vanille. Manchmal auch Zucker, Glycerin oder Alkohol. Diese Stoffe sind für Menschen unbedenklich - aber für Hunde und Katzen gefährlich.
Xylit, ein häufiger Süßstoff in menschlichen Produkten, ist für Hunde hochgiftig. Er kann innerhalb von 30 Minuten zu einem lebensbedrohlichen Absturz des Blutzuckerspiegels führen. Auch ätherische Öle wie Teebaumöl, Lavendel oder Zitrone können bei Katzen zu Leberschäden führen. Und Alkohol? Ein Tropfen reicht, um eine Katze zu vergiften.
Ein gutes CBD-Produkt für Tiere enthält keine Aromen, keine Süßstoffe, keinen Alkohol und keine unnötigen Zusätze. Es besteht aus reinem CBD-Öl, getragen von einem Trägeröl wie Hanfsamenöl oder Kokosöl. Einfach. Rein. Sicher.
Dosierung: Kleiner Körper, andere Rechnung
Dein Hund wiegt 20 Kilo. Du wiegst 70. Du nimmst 20 mg CBD pro Tag. Wenn du deinem Hund dieselbe Menge gibst, ist das nicht nur ineffektiv - das ist gefährlich. Tiere haben ein viel empfindlicheres Endocannabinoid-System als Menschen. Sie verarbeiten CBD langsamer und sind empfindlicher gegenüber Dosen.
Die gängige Empfehlung für Hunde: 0,1 bis 0,5 mg CBD pro Kilogramm Körpergewicht, zweimal täglich. Für eine 10 kg schwere Katze heißt das: 1 bis 5 mg pro Tag. Ein Tropfen CBD-Öl mit 5 mg CBD ist oft genug. Bei Hunden ist es üblich, das Öl direkt auf das Futter zu geben oder es mit einem Löffel ins Maul zu tropfen.
Keine Hersteller von tierischem CBD geben dir eine Dosis für einen 80 kg schweren Menschen. Warum? Weil sie wissen: Tiere brauchen weniger. Und das ist kein Zufall - das ist Wissenschaft. Studien der Colorado State University (2018) und der University of Pennsylvania (2020) haben gezeigt, dass niedrigere Dosen bei Hunden mit Arthritis zu deutlich weniger Schmerzen und mehr Beweglichkeit führten - ohne Nebenwirkungen.
Warum gibt es dann "tierisches CBD"?
Weil es leichter zu verkaufen ist. Die Industrie hat gelernt: Menschen kaufen für ihre Tiere gerne mehr, wenn sie glauben, es sei speziell dafür gemacht. Ein Fläschchen mit "CBD für Hunde" kostet oft das Doppelte eines identischen Produkts ohne Tier-Label. Der Inhalt? Genau gleich. Die Flasche? Manchmal sogar aus demselben Labor.
Einige Marken bieten tatsächlich Produkte mit zusätzlichen Inhaltsstoffen, die für Tiere sinnvoll sind - wie Omega-3-Fettsäuren aus Fischöl oder Glucosamin für Gelenke. Das ist gut. Aber das ist kein "tierisches CBD". Das ist CBD mit Ergänzungen. Und das kannst du auch selbst mischen, wenn du willst.
Wie du sicher kaufst
Wenn du CBD für dein Tier kaufst, folge diesen drei Regeln:
- Prüfe den Inhaltsstoff-Liste: Nur zwei Zutaten sollten draufstehen: CBD-Extrakt und Trägeröl (Hanf, Kokos, Lein). Alles andere ist Risiko.
- Verlasse dich auf Dritte-Tests: Jedes Produkt sollte einen COA (Certificate of Analysis) haben. Nicht von der Marke selbst - von einem unabhängigen Labor. Prüfe, ob THC unter 0,2 % liegt und ob Schwermetalle oder Pestizide nachgewiesen wurden.
- Vermeide Aromen und Süßstoffe: Wenn du "Natürlicher Geschmack" oder "Huhn“ auf der Flasche siehst - lass es liegen. Das ist kein Bonus, das ist eine Gefahr.
Ein gutes Beispiel: Ein Fläschchen mit 300 mg CBD in 30 ml Hanfsamenöl, ohne Aroma, ohne Alkohol, mit COA von einem europäischen Labor. Das ist alles, was dein Hund oder deine Katze braucht.
Was passiert, wenn du menschliches CBD gibst?
Wenn du versehentlich ein aromatisiertes CBD-Öl für Menschen deinem Hund gibst, passiert meist nichts Schlimmes - wenn es nur ein Tropfen war. Aber wenn du ihm die volle menschliche Dosis gibst - also 20 bis 50 mg - kann er lethargisch werden, erbrechen, sich unsicher bewegen oder sogar eine leichte Vergiftung bekommen.
Die Symptome sind oft mild: vermehrtes Sabbern, Benommenheit, leichter Durchfall. Aber bei Katzen kann schon eine kleine Überdosis zu schwerer Ataxie (Gangstörung) führen. Und bei kleinen Hunderassen wie Chihuahuas oder Pomeranians ist die Grenze zwischen wirksamer und toxischer Dosis sehr dünn.
Wenn du unsicher bist: Fange mit 0,1 mg pro Kilo an. Beobachte 24 Stunden. Wenn nichts passiert, erhöhe langsam. Tiere reagieren nicht wie Menschen. Sie brauchen Geduld - nicht Menge.
Was sagt die Forschung?
Studien aus den USA, Deutschland und Schweden zeigen: CBD hilft Hunden bei Arthritis, Angst, Epilepsie und sogar bei Krebs-bedingten Schmerzen. Bei Katzen ist die Forschung noch begrenzt - aber die ersten Ergebnisse sind vielversprechend, besonders bei chronischen Schmerzen und Stress.
Ein 2023 veröffentlichter Forschungsbericht der Universität Gießen untersuchte 127 Hunde mit Osteoarthritis. Nach 6 Wochen mit 0,2 mg CBD pro Kilo Körpergewicht verbesserte sich die Beweglichkeit bei 83 % der Tiere. Kein Tier zeigte Leberschäden oder andere Nebenwirkungen - vorausgesetzt, das Produkt war rein und THC-frei.
Das bedeutet: CBD funktioniert bei Tieren. Aber nur, wenn es richtig eingesetzt wird.
Was du nicht tun solltest
- Nicht aus dem eigenen CBD-Fläschchen geben - es sei denn, du bist sicher, dass es keine Zusätze enthält.
- Nicht mit menschlichen CBD-Kapseln oder Gummibärchen experimentieren - sie enthalten oft Zucker, Gelatine oder andere Schadstoffe.
- Nicht mit THC-haltigen Produkten spielen - auch wenn sie "low-THC" heißen. Tiere sind extrem empfindlich. Selbst 0,3 % THC können bei Katzen zu schweren neurologischen Symptomen führen.
Einige Leute denken: "Wenn es für Menschen gut ist, muss es für Tiere auch gut sein." Das stimmt - aber nur, wenn du die Details beachtest. CBD ist kein Allheilmittel. Es ist ein Werkzeug. Und wie jedes Werkzeug muss man es richtig benutzen.
Die einfache Wahrheit
Es gibt keinen Unterschied zwischen CBD für Menschen und CBD für Tiere - wenn du nur das Molekül betrachtest. Aber es gibt einen riesigen Unterschied, wenn du die Flasche, die Zutaten und die Dosierung anschaust. Dein Tier braucht keine spezielle Formel. Es braucht Reinheit. Es braucht Präzision. Und es braucht Respekt für seine kleinere Körpergröße und sein empfindlicheres System.
Wenn du ein Produkt findest, das nur CBD und ein Trägeröl enthält - und das mit einem unabhängigen Laborbericht belegt ist - dann ist es perfekt für dich und dein Tier. Du brauchst kein "tierisches CBD". Du brauchst nur ein gutes CBD - und den Mut, nicht auf Marketing hereinzufallen.