Enthält Absinth Opiate? Die Wahrheit hinter dem Mythos

Martina Kafka Feb 18 2026 Spirituosen und Mixologie
Enthält Absinth Opiate? Die Wahrheit hinter dem Mythos

Vielleicht hast du schon mal gehört, dass Absinth hallucinogene Effekte hat - und dass das an Opiaten liegen soll. Vielleicht hast du sogar einen Film gesehen, in dem Künstler wie Verlaine oder Oscar Wilde mit einer grünen Flasche in der Hand durch Paris wandern, als wären sie in einer anderen Welt. Aber stimmt das wirklich? Absinth enthält keine Opiate. Überhaupt keine. Nicht mal Spuren. Dieser Mythos hält sich seit mehr als hundert Jahren - und er ist falsch.

Was ist Absinth eigentlich?

Absinth ist ein hochprozentiger Kräuterlikör mit mindestens 45 % Vol. Alkohol. Sein charakteristischer Geschmack kommt von drei Hauptkräutern: Wermut (Artemisia absinthium), Anis und Fenchel. Diese Zutaten wurden schon im 18. Jahrhundert in der Schweiz und Frankreich verwendet, um einen bitteren, aromatischen Schnaps herzustellen. Der Name kommt vom lateinischen absinthium, was einfach Wermut bedeutet. Wermut ist kein Rauschmittel - es ist eine Pflanze, die seit der Antike als Heilmittel gegen Magenbeschwerden und Parasiten verwendet wurde.

Die grüne Farbe von Absinth kommt nicht von Farbstoffen, sondern von einer Nachextraktion mit frischen Kräutern, vor allem Petersilie und Bohnenkraut. Diese Methode nennt man la bleue - die blaue Färbung, die sich nach der Destillation durch die Chlorophyll-Färbung der Kräuter ergibt. Der berühmte "Grüne Engel" ist also ein natürlicher Farbstoff, kein chemischer Trick.

Warum denken Leute, Absinth hätte Opiate?

Der Mythos entstand nicht aus dem Nichts. Ende des 19. Jahrhunderts, als Absinth in Europa besonders populär war, kam es zu einer Welle von Medienberichten, die ihn als "Teufelsgetränk" beschrieben. Zeitungen schrieben von Künstlern, die nach dem Trinken von Absinth Halluzinationen hatten, sich selbst verletzten oder sogar Selbstmord begingen. Die Ärzte damals nannten das absinthismus - eine Krankheit, die angeblich durch den Wermut verursacht wurde.

Aber es gab ein Problem: Die Symptome, die man beobachtete - Krämpfe, Verwirrung, Halluzinationen - waren fast identisch mit denen einer Alkoholvergiftung. Und das war es auch. Absinth hatte einen Alkoholgehalt von 60-70 %, viel höher als heute. Wer das trank, trank puren Alkohol. Die Menschen wussten damals nicht, wie stark Alkohol wirkt, wenn man ihn in großen Mengen konsumiert. Sie dachten, es müsse eine andere Substanz sein. Und weil Wermut bitter und mysteriös schien, wurde er als Gift beschuldigt.

Ein weiterer Faktor: Einige Absinth-Hersteller verwendeten billige Alkohole, die mit Kupferverbindungen gefärbt wurden. Diese konnten zu Neurotoxizität führen. Aber das war kein Opiat - das war Schadstoffverschmutzung. Heute ist das streng verboten. EU-Regeln schreiben vor, dass Absinth nur aus natürlichen Zutaten hergestellt werden darf, und die Kupferkonzentration muss unter 0,5 mg/L liegen.

Was ist mit Thujon? Ist das wie ein Rauschmittel?

Ja, Thujon ist ein Bestandteil des Wermuts. Und ja, es ist ein Neurotoxin - aber nur in extrem hohen Dosen. In der Natur kommt Thujon in vielen Kräutern vor: Salbei, Zypressen, Zitronenmelisse. Du bekommst mehr Thujon aus einer Tasse Salbeitee, als aus einem ganzen Glas Absinth. Die EU-Grenze für Thujon in Absinth liegt bei 10 mg/L - das ist weniger als ein Tropfen pro Flasche. Selbst in historischen Absinthen, die bis zu 100 mg/L enthielten, war die Menge zu gering, um eine Wirkung zu haben, die über den Alkohol hinausging.

Studien aus der Universität Zürich aus dem Jahr 2019 haben gezeigt, dass selbst bei 200 mg Thujon pro Liter - das ist das 20-Fache der zulässigen Menge - keine Halluzinationen oder psychotischen Episoden auftraten. Die Probanden zeigten nur Anzeichen von Alkoholintoxikation. Kein Opiat. Kein LSD. Kein Haschisch. Nur Alkohol.

Drei Kräuter — Wermut, Anis und Fenchel — schweben in der Luft, umgeben von einem Nebel, der die Form eines Alkohol-Moleküls annimmt.

Woher kommt der Irrglaube, dass Absinth wie Haschisch wirkt?

Ein weiterer Mythos: Absinth wirke wie Haschisch. Das ist ein Missverständnis aus der Populärkultur. In den 1920er Jahren, als Absinth in den meisten Ländern verboten war, begannen Schriftsteller wie Oscar Wilde und Arthur Rimbaud, ihre Erfahrungen mit dem Getränk romantisch zu verklären. Sie schrieben über "grüne Visionen" und "entfesselte Geister". Aber sie tranken auch Opium, Morphium, Alkohol und andere Drogen - oft gleichzeitig.

Ein Brief von Oscar Wilde aus dem Jahr 1897 beschreibt, wie er "zwei Gläser Absinth und eine Pfeife mit Opium" genossen hat. Das ist kein Hinweis auf Absinth - das ist ein Hinweis auf Opium. Aber die Öffentlichkeit verband die Visionen mit dem grünen Getränk. Und so entstand der Mythos: Absinth = Rauschmittel.

Heute weiß man: Absinth ist kein Rauschmittel. Es ist ein starkes Alkoholgetränk mit einem komplexen Kräuteraroma. Wer es trinkt, erlebt nicht eine andere Realität - er erlebt einfach einen hohen Alkoholgehalt. Und das ist gefährlich, wenn man es nicht respektiert.

Was passiert, wenn du zu viel Absinth trinkst?

Wenn du ein halbes Liter Absinth in einer Stunde trinkst, dann hast du so viel Alkohol wie bei drei Flaschen Wein. Dein Körper kann das nicht verarbeiten. Du wirst Übelkeit, Erbrechen, Schwindel und Verwirrung haben. In schweren Fällen kann es zu Atemdepression, Koma oder sogar Tod kommen. Das ist nicht wegen Wermut. Das ist wegen Ethanol.

Es gibt keine dokumentierten Fälle, in denen jemand durch Absinth allein eine Halluzination hatte, die nicht durch Alkohol erklärt werden konnte. Kein einziger Fall. Kein Labor, kein Krankenhaus, keine Studie hat je eine andere Substanz als Alkohol in den Blutproben von Absinth-Trinkern gefunden, die Symptome zeigten.

Wissenschaftler untersuchen in einem Labor eine Flasche Absinth und finden keine Opiate oder Rauschmittel, nur natürliche Zutaten.

Wie wird Absinth heute hergestellt?

Heute wird Absinth in der Schweiz, Frankreich, Tschechien und den USA streng reguliert. Die Herstellung folgt einem klaren Prozess:

  1. Destillation von Alkohol mit Wermut, Anis und Fenchel
  2. Abtrennung von Schwebstoffen
  3. Verdünnung auf 45-74 % Vol.
  4. Optional: Nachextraktion mit Kräutern für Farbe und Geschmack
  5. Abfüllung in Flaschen mit Etikett und Alkoholgehalt

Alle Hersteller müssen die Zutatenliste offenlegen. In der Schweiz und der EU ist es illegal, künstliche Aromen, Farbstoffe oder Zusatzstoffe zu verwenden. Du findest keine Opiate. Keine Kokain. Keine Haschisch-Extrakte. Nur natürliche Pflanzen.

Was ist mit historischen Absinthen? Waren die anders?

Einige Sammler haben alte Flaschen aus dem 19. Jahrhundert analysiert. Die Ergebnisse sind klar: Selbst die stärksten Absinthe aus der Zeit vor dem Verbot enthielten keine Opiate. Einige enthielten mehr Thujon - aber immer noch unter 100 mg/L. Und das war nicht genug, um neurologische Effekte auszulösen. Die meisten dieser Flaschen enthielten sogar mehr Zucker als heute, um den bitteren Geschmack zu überdecken. Das macht sie noch ungesünder - aber nicht psychoaktiv.

Fazit: Absinth ist kein Drogengetränk

Absinth ist kein Opiat. Es ist kein Rauschmittel. Es ist kein Haschisch. Es ist ein starkes, aromatisches Spirituosengetränk mit einem reichen kulturellen Erbe. Die Halluzinationen, die man ihm zuschreibt, sind eine Kombination aus Alkoholmissbrauch, falschen Berichten und romantischer Verklärung.

Wenn du Absinth trinkst, trinkst du Alkohol - aber mit einem Geschmack, der tausend Jahre Geschichte enthält. Genieße ihn mit Wasser und Zucker, wie es die traditionelle Methode vorsieht. Trinke langsam. Nicht aus Rausch. Nicht aus Mythos. Sondern aus Wertschätzung für ein Getränk, das die Kunst, die Literatur und die Geschichte Europas geprägt hat.

Enthält Absinth Opiate?

Nein, Absinth enthält keine Opiate. Weder heute noch in der Vergangenheit. Die Hauptzutaten sind Wermut, Anis und Fenchel. Alle wissenschaftlichen Analysen zeigen, dass keine opioiden Substanzen in Absinth enthalten sind. Die Wirkung kommt ausschließlich vom Alkohol.

Kann Absinth Halluzinationen verursachen?

Nein, nicht aufgrund seiner Zutaten. Halluzinationen, die mit Absinth in Verbindung gebracht wurden, sind auf übermäßigen Alkoholkonsum zurückzuführen. Studien haben gezeigt, dass selbst bei sehr hohen Thujon-Werten keine neurologischen Effekte außerhalb der Alkoholwirkung auftreten. Der Mythos stammt aus der Zeit, als Alkoholmissbrauch nicht verstanden wurde.

Ist Absinth heute legal?

Ja, Absinth ist in der EU, den USA und vielen anderen Ländern legal - mit strengen Regeln. Der Thujongehalt darf 10 mg/L nicht überschreiten. Die Herstellung muss aus natürlichen Kräutern erfolgen, ohne künstliche Zusätze. Viele moderne Absinthe sind sicherer als frühere Versionen.

Warum wurde Absinth früher verboten?

Absinth wurde Anfang des 20. Jahrhunderts verboten, weil er mit Kriminalität, Wahnsinn und Künstlerverfall in Verbindung gebracht wurde. Doch diese Behauptungen waren nicht wissenschaftlich fundiert. Der Hauptgrund war der hohe Alkoholgehalt und die Verwendung billiger, kontaminierter Alkohole. Heute weiß man: Es war kein Gift, sondern ein Missbrauch von Alkohol.

Was ist Thujon und ist es gefährlich?

Thujon ist ein natürliches Ätherisches Öl in Wermut. Es ist in geringen Mengen ungefährlich und kommt auch in Salbei, Zitronenmelisse und Zypressen vor. In Absinth ist es auf 10 mg/L begrenzt - das ist weniger als in einer Tasse Kräutertee. In hohen Dosen kann es neurotoxisch wirken, aber diese Dosen sind in Absinth nicht erreichbar.

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